> my father JDB – or Johnny B Goode

 

In memory of my beloved father Johann Detlef Bloecker, who was
born 23. SEPTEMBER 1924 – and died 29. February 2000.

Three months before his death my father and my mother left Brisbane, where they both had visited my first wife and myself. We were working then for EDUCATION QUEENSLAND as German Language Advisers. My father had been seriously ill the years before and certainly knew he would soon die of leucemia. He had flown together with my dear mother to Australia to visit us and to say good bye to us. Being with us in Brisbane for some weeks, my parents went to Noosa by bus, swimming every morning and afternoon in the ocean. One week we took off to be together with them in Byron Bay and show them the Hinterland.

Collage.Australien

Having survived the last year of the 2nd World War in Russia, my father had found his life motto: “Never give up”!
On Monday 6th of March 2000 we all met in the Christus Church in Kiel – Kronshagen, Germany.
The pastor gave my mother and me the script of his sermon after the ceremony.
This original script I have here in front of me, and I quote the first few sentences:

“Johann Detlef Blöcker stellte sich dem Leben aufrecht, entschieden, bisweilen kämpferisch – er war ein engagierter Gestalter seiner Lebenswelt, in Familie und Beruf. Und er nutze seine vielen pädagogischen Gaben – für andere!”

Auslandsarbeit

Meinen Lebenstraum umreiße ich an dieser Stelle kurz, schlicht und sachlich:

Nach der Entscheidung, Lehrer zu werden und nach zahlreichen Reisen als Kind (7 – 15) mit unseren Eltern – meist per Zelt – ab 1956, stand für mich fest: Ich kenne Europa bereits ein wenig, aber es muss noch sehr viel mehr auf der „Welt“ zu entdecken sein!

Reisen, lernen und auch lesen haben meine Kindheit bestimmt. Folglich suchte ich zu Beginn des Studiums (1970, Geschichte/Politik/Englisch) Kontakt zu Menschen, die ein wenig in der Welt herumgekommen waren.

Besonders half mir ein Professor der Anglistik in Kiel weiter, der mich ermunterte, neben Englisch auch Deutsch zu studieren, denn im Ausland könne man nicht nur als Englischlehrer problemlos überall Arbeit finden, sondern auch als Deutschlehrer arbeiten. Auf diese Idee war ich allein nicht gekommen, und nach einigen Gesprächen war klar: Ich studiere ab sofort Deutsch und Englisch, um wenigstens eine Fremdsprache zu beherrschen und meinen Lebenstraum zu erfüllen: Nicht nur als Tourist zu reisen, sondern auch in fernen Ländern der Welt zu arbeiten / zu bleiben / zu verweilen.

Lehrer für Deutsch und Englisch an Gymnasien in Berlin Steglitz und Norddeutschland, sechs Jahre Lehrer in Namibia und sieben Jahre Mitarbeiter eines Goethe–Instituts (Sydney), das waren 13 Jahre Auslandserfahrungen und Stationen unseres Lebens, die ich nicht missen möchte.

Dieser Lebenstraum hat sich nicht nur für mich erfüllt, unsere gemeinsamen Pläne und Wünsche haben auch meine Frau und meine beiden Kinder für immer geprägt und bereichert. Unser Leben wäre ohne unseren Traum, unsere Entscheidungen damals, ganz anders verlaufen.

Zum Abschied 2012 vom FRG in DAN (Elbe)

Vor den Sommerferien 2012 erschien dieses Interview in den FRG Nachrichten. Ich danke HD für die Initiative und drucke das Interview ungekürzt ab / phb am 20. Oktober 2012

1. Lieber Peter! Wünschst Du ein höfliches oder ein ehrliches Interview?
Ich habe nichts gegen Höflichkeit – auf jeden Fall natürlich ehrlich.

2. Schildere uns bitte in mittellanger Form Deinen Werdegang ab Deinem Berufseinstieg (Referendariat).
Mein Referendariat machte ich am Steglitzer Paulsen Gymnasium in Berlin, wo ich auch hätte bleiben können. Ich bewarb mich dann aber in meiner Heimatstadt Kiel und zusätzlich bei der LSchB in Lüneburg, weil dort eine Stelle mit meinen Fächern De / En in Scharnebeck ausgeschrieben war. Ich habe dann beide Schulen besucht und mich schließlich für das ländliche Scharnebeck entschieden, weil dort ein Gymnasium neu aufgebaut werden sollte. Außerdem gefiel mir der Standort: eine Nahtstelle zwischen Stadt und Land. Ich war in der glücklichen Lage, mich zwischen drei Angeboten entscheiden zu können. Nach ca. 8 Jahren bewarb ich mich dann bei der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Köln und wurde an eine der ältesten Auslandsschulen vermittelt, die Deutsche Höhere Privatschule in Windhuk, Namibia. Nach der Rückkehr im Jahre 1994 machte ich mit meinen beiden Kindern und meiner damaligen Frau ein halbes Jahr Pause, und wir reisten hauptsächlich durch Neuseeland. In Dannenberg blieb ich zunächst vier Jahre und wurde anschließend 1998 Fachberater des Goethe-Instituts für Deutsch als Fremdsprache in Brisbane, Queensland. Anschließend bewarb ich mich in Dannenberg auf die Stelle eines Oberstufenkoordinators und trat die Nachfolge von Siegfried Neureuter im Jahre 2005 an

3. Wie sehen Deine Zukunftspläne aus?
Ich werde zurückgehen nach Queensland und mich dort vorerst niederlassen, werde aber regelmäßig meine Familie und Freunde in Deutschland besuchen. Falls möglich „gönne“ ich mir dann in einigen Jahren zwei Wohnsitze, einen im Norden Deutschlands und einen in Australien.

 4. Ergänze bitte: Australien ist unvergleichlich, weil ...
es so ganz anders ist. Ich habe mich dort sieben Jahre lang sehr wohl gefühlt und freue mich darauf, wieder an vergangene Erfahrungen anknüpfen zu können. Ich habe durch meine jetzige Frau auch Familie dort und viele gute Freunde.

5.  Wirst Du bisweilen inmitten von Kängurus die morgendliche Stille am Strand genießen können?
Morgendliche Stille am Strand mit Sicherheit, das Meer ist nur wenige Kilometer von meinem dortigen Wohnort entfernt. Kängurus gibt es in städtischen Bereichen allerdings nicht, vor allem nicht am Strand. Sie lieben den Busch und das Gras der Wiesen.

6.  Was war das Schönste an Deinem Beruf?
Ich habe immer gern mit Schülerinnen und Schülern gearbeitet und auch gern mit Kolleginnen und Kollegen Neues ausprobiert. Ob es auch (Ver)Störendes gab, willst du von mir wissen? Sicherlich, aber zurückblickend würde ich sagen: Nichts Bedeutendes.

7.  Hast Du im Laufe der Jahrzehnte spürbare Veränderungen in der Schülerschaft festgestellt?
Für mich stehen immer unterschiedliche Individuen im Mittelpunkt, deshalb kann ich sagen: nein.

8.  Sind im Verlauf Deiner Berufstätigkeit sog. “Professionelle Deformationen” bei Dir aufgetreten?
Das vermag ich nicht zu beurteilen. Mit Sicherheit haben mir die zahlreichen Ortswechsel geholfen, die tägliche Routine und Anforderungen gelassener zu bewältigen.

9.  Welches ist der schönste Platz am FRG?
Ein ruhiges Plätzchen im grünen Außenbereich…

10.Bist Du für Deine Leistung immer angemessen bezahlt worden?
Eine interessante Frage, der ich nicht ausweichen will. Ich habe verdient, was ich verdient habe und freue mich jetzt auch über meine Pensionsansprüche.

11.Man darf Dich im Blick auf Deine Lebensgeschichte sicher mit Fug und Recht als “Globetrotter” bezeichnen. Magst Du in diesem Zusammenhang die wesentlichen Unterschiede zwischen Kleinstadt und “Weiter Welt” benennen und anschließend erläutern, wie Du den Spagat hinbekommen hast?
Ein Lebensmotto von mir ist immer gewesen: Auf zu neuen Ufern und gern wiederkommen. Dazu gehört auch, begrenzte Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen. Da ich ein „Kind vom Lande“ bin und mir Bodenständigkeit und verlässliche Beziehungen besonders wichtig sind, habe ich Fern- und Heimweh immer gut vereinbaren können. Alles zu seiner Zeit, aber eben beides!

12. Harald Martenstein, ein von Dir sehr geschätzter Autor, berichtete Anfang Mai im ZEIT-Magazin, dass sein eigener Großvater an der Hauptschule nicht zu den besten Schülern gehörte und trotzdem die deutsche Rechtschreibung nahezu tadellos beherrschte. Angeblich, so Martenstein, gelinge dieses Kunststück nicht mal mehr an unseren Gymnasien. Zugespitzt:  Ist der sibirische Schneeleopard weniger bedroht als unsere Rechtschreibung?  Wie lautet die Antwort des erfahrenen Deutschlehrers?
Eine optimale Beherrschung der Muttersprache und mindestens einer Fremdsprache gehört neben Mathematik und naturwissenschaftlichen Kenntnissen (Stichwort Natur und Ökologie) ebenso wie Kenntnisse der Geschichte, Politik und Wirtschaft zu den persönlichkeitsbildenden Grundkompetenzen, die jeder braucht, um Mensch zu werden. Dabei sind Persönlichkeiten verschieden und können so auch Unterschiedliches zu einem gesellschaftlichen Ganzen im Sinnes eines Gelingens beitragen. Sprachliche Defizite sind immer ein erheblicher Nachteil, den es auszugleichen gilt. Abstriche in diesem Bereich halte ich nicht für sinnvoll.

13. Möchtest Du vor dem Hintergrund strukturierter Erfahrungen ein Signal oder eine Botschaft für die Schüler/innen und/oder das Kollegium hinterlassen?
Ich habe gern am FRG mit euch zusammen gearbeitet und werde gern wiederkommen. Bleibt so gelassen und menschenfreundlich, wie ich euch wahrgenommen habe – take care! Ihr hört natürlich wieder von mir!

14. Welche wichtige(n) Frage(n) habe ich trotz bester Absichten und Vorüberlegungen schlicht und ergreifend vergessen?
Mir haben Deine Fragen so gut gefallen, dass ich keine ausgelassen habe. „Vergessen“ wurde dabei nach meiner Ansicht nichts.

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>> Lehrer/-innen

Schüler fragen ihre Lehrer/-innen (2010):

Was würden Sie machen, wenn Sie kein Lehrer wären?
Gute Frage – schwer zu sagen: Vielleicht wäre ich Rechtsanwalt oder Geschäftsmann? Heute würde ich vielleicht Informatik studieren.

Was mögen Sie an Schülern?
Ihre Freundlichkeit, ihre Höflichkeit und natürlich ihre Motivation, Neues zu lernen.

Was ärgert Sie an Schülern?
Wenn sie permanent zu spät kommen und dadurch den Unterricht stören.

Wie sind Sie zum FRG gekommen?
Ich habe mich 2005 auf eine Funktionsstelle beworben, wie ihr wisst als Oberstufenkoordinator. Ich war bereits vor meiner Zeit als Fachberater des Goethe-Instituts in Dannenberg, und zwar von 1994 bis 1998.

Beschreiben Sie die Schule mit drei Worten.
Freundlich – nett – unproblematisch!

Freitag vor Ferienanfang: Knallharter Unterricht oder Film gucken?
Muss nicht gerade Film sein, aber auf keinen Fall „knallharten Unterricht“! Wozu?

Wenn Sie etwas an unserem Bildungssystem ändern könnten, was wäre es?
Ich würde insgesamt mehr Leistung verlangen und stärker differenzieren! Einerseits Brücken bauen („fördern“) – andererseits aber einfach mehr verlangen. Damit muss man jedoch rechtzeitig anfangen, eigentlich schon im Kindergarten, weil Kinder im Grunde immer dazulernen wollen, sie langweilen sich sonst sehr schnell. Ich würde auch Schülern/-innen bei sehr guten Leistungen erlauben, bis zu drei Klassen zu überspringen. Und wenn jemand nicht so gut klar kommt, dann macht er eben 2 – 3 Jahre mehr! Thomas Mann hat sich damals in Lübeck nur gelangweilt und fand seine Lehrer schrecklich, er hat drei Klassen wiederholt und ging dann nach der 10. Klasse ab, ohne Abitur. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Schüler und Lehrer in einem Boot sitzen und gemeinsam aus der Schule (das heißt aus dem täglichen Lernprozess) das Beste machen sollten.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?
Manchmal allein, manchmal mit meiner Frau: Ich reise gern und lese viel. Auch Zeitungen. Außerdem verbringe ich relativ viel Zeit im Internet. Dort kann man sein Lernen heute weitgehend selbst gestalten.

Fast Food oder gesunde Ernährung?
So gut wie nie – und möglichst immer.

Was war Ihr peinlichster Moment im Unterricht?
(Pause, überlegt) Irgendwie haben alle gelacht, ich wusste allerdings nicht warum. Es war dann aber eher harmlos und hat auch nur 60 Sekunden gedauert, also durchaus auszuhalten.

Wenn Sie ein Fach abgeben müssten, welches wäre es?
Das geht bei mir nicht, Deutsch und Englisch, beide sind mir gleich wichtig. Ich habe auch – trotz der hohen Korrekturbelastungen – mit Bedacht diese beiden Fächer gewählt. Ich könnte mir noch vorstellen, Mathematik, Philosophie sowie Werte und Normen zu unterrichten.

Wochenende: Wann klingelt der Wecker?
Gar nicht!

Was erwartet einen Schüler, der seine Hausaufgaben nicht erledigt hat?
Er muss das erklären ohne zu lügen und bekommt dann einen neuen Auftrag.

Ihr liebsten Urlaubsziele?
Südafrika, Namibia und Australien, dort wohnt auch ein Teil meiner Familie.

Vervollständigen Sie: „Was du heute kannst besorgen, das…!“
…verschiebe nicht auf morgen“! Ist mir zwar nicht immer wichtig, allerdings arbeite ich gern Dinge weg, die mich sonst zu sehr einschränken bzw. belasten.

Wie waren Sie als Schüler?
Im oberen Drittel, es gab allerdings keine 1 –er und eher selten 2-er. Ein gutes Zeugnis lag also bei etwa 2,5. Allerdings gab es keinen NC – Noten waren also nicht so wichtig wie heute!

Zu welcher Musik können Sie entspannen?
Gute Popmusik wie Pink Floyd, Queen, Beatles, Stones u.a.m. Klassik auch, aber eher selten!

Fernsehabend: Was gucken Sie immer wieder gerne und wo schalten Sie sofort weiter?
Günther Jauch, manchmal „Hart aber fair“ – und immer wieder Tagesschau und Tagesthemen, aber auch BBC. Ich schalte nach 30 Minuten Nachrichten in der Regel aus, der wichtigste Schalter für mich!

Ein Schüler spielt Ihnen einen Streich: Wie reagieren Sie?
In der Regel gelassen, kommt darauf an welcher Art. Ich mag keine fiesen / miesen Leute.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Laptop, Hammer und Säge.

Wem würden Sie den Friedensnobelpreis verleihen und warum?
Wenn Mandela ihn nicht schon hätte: Mandela! Der konnte verzeihen, trotz des Unrechts, das man ihm über Jahrzehnte angetan hat. Und er kann immer noch über sich selbst lachen und ist ein fröhlicher Mensch. Den bewundere ich wirklich!

Wie belohnen Sie einen besonders fleißigen Schüler?
Das kommt auf das Ergebnis und die Leistungen an, auf jeden Fall positives Feedback.

Welche Utensilien vermissen Sie im Lehrerzimmer?
Kreide, ansonsten ist alles ok.

Macht das Unterrichten im Laufe der Jahre eher mehr oder eher etwas weniger Spaß?
In der Oberstufe macht es mir fast immer Spaß – es sei denn, die Schüler sind völlig lustlos, was selten vorkommt. Mittelstufe kann manchmal nervig sein, aber ich unterrichte insgesamt immer noch gern.

Aus welcher Motivation heraus sind Sie Lehrer geworden und wann haben Sie Ihren Entschluss im praktischen Unterricht zum ersten Mal bereut?
Ich habe als Schüler gute, mittelmäßige und leider auch einige schlechte Lehrer gehabt, vor allem in den Naturwissenschaften. Ich fand Schule immer interessant und auch gesellschaftlich wichtig. Ich sah damals drei  Möglichkeiten: Medizin, Jura und Lehrer am Gymnasium. Ich habe mich für das Lehramt entschieden, weil ich – vermutlich – über die anderen genannten Disziplinen zu wenig wusste. Bereut habe ich meinen Entschluss nie.

Wenn Sie wüssten, dass nächste Woche die Welt untergeht: Müssten wir deutsche oder englische Kommunikation immer noch lernen? Oder wären andere Unterrichtsinhalte sinnvoller? Oder lohnt sich Unterricht dann gar nicht mehr?
Nie aufgeben – es kommt (meist) anders als man denkt, und von Weltuntergangsstimmung habe ich noch nie etwas gehalten! Menschen überleben Krisen und Kriege, daran nehme ich mir ein Beispiel.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf besonders: Das Lehren, die Konfrontation mit neuen Individuen oder zu sehen, wie sich die Schüler entwickeln?
Lehren selbst macht Spaß, aber nur gemeinsam mit den Schülern/-innen. Insofern halte ich gern Kontakt zu meinen ehemaligen Schülern/-innen und freue mich, wenn ich über ihren meist erfolgreichen Weg etwas erfahre.

Denken Sie, dass Sie Ihren Job gut machen? Was könnten Sie noch verbessern?
Das sollen andere beurteilen, verbessern lässt sich natürlich immer etwas.

Was für ein Gefühl ist es, seine Schüler mit einem bestandenen Abitur zu sehen?
Ich denke dann immer „geschafft“ – das habt ihr toll gemacht! Das gilt auch gerade für diejenigen, die es knapp erreicht haben und sich sehr angestrengt haben. Wer es bis zur Abizulassung schafft, der sollte das Abitur dann auch bestehen. Das wünsche ich jedem ohne Ausnahme.

Ist es etwas Besonderes, mit Heranwachsenden zu arbeiten?
Es kann manchmal schwierig sein und erfordert Fingerspitzengefühl. Am besten, man hat selbst eigene Kinder zum Abitur begleitet, das hilft enorm.

Wie wirkt sich ihre Arbeit auf ihr Privatleben aus?
Ich hatte oft für meine beiden Kinder und meine damalige Frau zu wenig Zeit! Es gab Jahre, da habe ich in den Ferien bis zu 100 Stunden korrigieren müssen, Samstags 4 Stunden Unterricht und Sonntag bis zu 6 Stunden Arbeit. Ich habe wöchentlich zwischen 60 und 70 Stunden gearbeitet und hatte nur die Sommerferien, um mich von der Schule richtig zu erholen. Pro Jahr musste ich bis zu 36 Klassenarbeiten und Klausuren  – bei 39 Schulwochen – korrigieren!

Wenn sie jetzt Abitur schrieben würden, würden Sie bestehen?
Na klar! Abitur ist heute für gute und durchschnittliche Schüler/-innen überhaupt kein Problem.

Beurteilen Sie folgenden Satz: „Es bringt Vorteile, Beamter zu sein.“
Das war mir immer völlig egal – jetzt mit 61 Jahren freue ich mich natürlich über die Absicherung! Aber die hätte ich in jedem anderen Beruf auch gefunden. Ich sehe also grundsätzlich keine Vorteile. Wäre ich entlassen worden, hätte ich neu angefangen.

Was hat sich während ihrer Laufbahn am meisten verändert?
Die Leistungen haben insgesamt eher nachgelassen, eher durchschnittliche Leistungen werden heute oft überbewertet. Das gilt natürlich nicht für einzelne Schüler, eher zusammenfassend gesagt. Es gibt immer noch zahlreiche gute und sehr gute Schüler/-innen. Aber um heute eine 5 oder sogar eine 6 im Zeugnis zu bekommen, muss man schon große Lernschwierigkeiten haben oder einfach die falsche Schule gewählt haben. Mit ausreichend werden heute oft auch Leistungen bewertet, die früher mangelhaft oder ungenügend genannt wurden, so meine Erfahrung.

Kommentieren Sie: „Lehrer ist ein Halbtagsjob“
Unsinn, das soll ja auch nur provozieren!  Hamburg hat vor einiger Zeit ein Modell entworfen, jeder  kann schulformbezogen die Zahlen nachlesen: Die Belastung von Lehrkräften in den Gymnasien liegt ganz oben, allerdings mit breiter Streuung zwischen 900 und 3500 Zeitstunden pro Jahr je nach Fächerkombination und Einsatz, das bei 30 Urlaubstagen pro Jahr gerechnet! Bis zu 1000 oder sogar mehr Korrekturstunden pro Jahr für Deutsch – und Englischlehrer. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Endlich Feierabend: Gucken Sie einen spannenden Film oder lesen Sie ein gutes Buch?
Beides, je nach Wochentag und Laune. Zur Zeit lese ich eine Biographie über Thomas Mann.

Sie korrigieren eine Klausur und sehen, dass Ihre Schüler genau das nicht befolgt haben, was Sie Ihnen oftmals gepredigt haben. Wie reagieren Sie?
Das kommt immer wieder vor, ich bleibe gelassen und wiederhole das Wichtigste erneut.

Last not least …
…lasse ich mich von dem Gedanken leiten, dass Schüler/-innen es später einmal besser machen können als ihre Lehrer.

> > LINK zu meinem Projekt  > Schüler/-innen interviewen ihre Lehrer/-innen | Fritz-Reuter-Gymnasium, 29451 Dannenberg (Elbe)

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